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Verschiedene natürliche Alternativen zur Verhütung auf dem Prüfstand

Das Interesse an natürlichen Alternativen zur Verhütung steigt und deshalb auch das Angebot auf dem Markt.  Doch längst nicht alles ist genügend zuverlässig und deshalb sind z.B. Ärzte zurecht skeptisch gegenüber Vielem. Deshalb hier kurz meine Einschätzung zu den aktuell kursierenden Methoden.

 

Zykluscomputer

Diese kleinen Dinger mit den klingenden Namen Pearly, Daisy, oder weniger klingend Cyclotest sind unterdessen ziemlich verbreitet. Sie kosten so zwischen 350.- und 500.- Franken und sind offiziell nicht zur "Verhütung" zugelassen. In der Regel funktionieren sie nach der Temperaturmethode, jeden Tag soll die Aufwachtemperatur gemessen werden, die dann von einem Algorithmus ausgewertet wird. Leider ist der Effekt des Kennenlernens des eigenen Körpers dadurch eingeschränkt, meist auch durch unbrauchbare Anzeigen des Zyklus auf dem Gerät oder schlechten dazugehörigen Apps. Die Möglichkeit eines frühzeitigen Temperaturanstiegs steigert durch die fehlende Schleimbeobachtung das Risiko von überraschenden Schwangerschaften, wie auch der mangelhafte Einbezug von möglichen Störfaktoren, die die Temperatur beeinflussen können.  Zykluscomputer tragen mit ihrer ungenügenden Sicherheit massiv dazu bei, dass natürliche Alternativen zur Verhütung in der Öffentlichkeit einen schlechten Ruf haben.

Ich rate auch wegen der fehlenden Flexibilität von Zykluscomputern ab. Es braucht tägliche Temperaturmessungen, was bei der symptothermalen Methode meistens maximal während zwei Wochen nötig ist. Auch bei unregelmässigen Zyklen und in der Stillzeit bieten sie keine Hilfe.

 

Zyklusapps

Unter den zahllosen verfügbaren Apps (z.T. mit zugehörigen eher teuren Thermometern) gibt es nur ganz wenige (z.B. MyNFP), die einigermassen empfehlenswert sind, aber nur bei guter Kenntnis der symptothermalen Methode (siehe Artikel dazu). Grundsätzlich ist die Auswertung durch einen Algorithmus aber immer eine Gefahr, Zweifel an der Auswertung zu übergehen (die App hat ja die Regeln angewendet), was das Risiko von überraschenden Schwangerschaften erhöht. Unterdessen gibt es zwar Support z.B. in Facebook-Gruppen, allerdings ist der Einstieg ohne Einführung in einem Kurs oft schwierig und langwierig. Es steigert erwiesenermassen die Zuverlässigkeit einer Methode, wenn bei Fragen, Zweifeln und aussergewöhnlichen Situationen eine Ansprechstelle zur Verfügung steht. Dies ist in der Schweiz nur bei der symptothermalen Methode nach Josef Rötzer gegeben, und da wird die App InerCycle verwendet, die selber keine Auswertung vornimmt, dafür den Austausch mit einer Beraterin ermöglicht.

 

Weitere Zyklusbeobachtungsmethoden wie Ava oder sogenannte Ovulationstests

Das Armband Ava misst 9 Parameter mit einem Armband und wurde dazu entwickelt, Schwangerschaften anzustreben - allerdings führt das Unispital Zürich momentan auch Studien zur Kontrazeption durch. Die Idee ist, den Verlauf des Zyklus unabhängig von der subjektiven Wahrnehmung der Frau festzustellen (Zitat der betreffenden Ärztin) und den Eisprung vorauszusagen.
Dazu ein paar Bemerkungen: da der Zyklus über den Hormonhaushalt sehr stark mit der Psyche verknüpft ist, gehen durch die Abkoppelung von der Wahrnehmung der Frau viele positive Effekte auf den Zyklus verloren und auf eine Stärkung der Frau durch die verbesserte Körperwahrnehmung wird verzichtet. Zudem ist eine Vorraussage des Eisprungs sinnlos, da sich dieser jederzeit durch Stress, eine Krankheit oder Anderes verschieben kann. Um die Chance einer Schwangerschaft zu erhöhen, reicht in der Regel die einfache Beobachtung des Zervixschleims, zur sicheren Vermeidung einer Schwangerschaft braucht es so oder so einen klaren Temperaturanstieg. Zudem sind die gelieferten Grafiken nicht wirklich brauchbar zur Zyklusauswertung. Dieses Armband ist aus meiner Sicht mit der jahrzehntelangen Erfahrung, auf die ich Zugriff habe, überflüssig.

Die Ovulationstests zeigen an, ob im Urin luteinisierendes Hormon (LH) vorhanden ist. Dieses Hormon der Hypophyse gibt den Impuls für den Einsprung. Mit der Beobachtung des Zervixschleims und der Aufwachtemperatur erhalten wir ein viel besseres Bild vom Zyklus als durch die nicht ganz günstigen Teststreifen. Und zum Anstreben einer Schwangerschaft ist der Zervixschleim aus meiner Sicht der beste Indikator für die Fruchtbarkeit.

 

Hilfsmittel zur Temperaturmessung

Für einige ist das Messen am Morgen nach dem Aufwachen ein Hindernis, die symptothermale Methode anzuwenden. Als Alternative zum Thermometer wurden verschiedene Sensoren entwickelt, die z.B. über Nacht in die Vagina eingeführt werden und dann z.T. einen Temperaturwert oder eine Temperaturkurve der ganzen Nacht liefern. Neuer gibt es auch ein Messgerät das am Oberarm getragen wird, der Tempdrop, und mit mehreren Sensoren und einem Computeralgorithmus am Morgen einen Temperaturwert angibt fürs Übertragen in eine Tabelle. Ich bin momentan noch dran, den Tempdrop zu testen und im Gespräch mit dem israelischen Entwickler zur Änderung einer Funktion, die abweichende Temperaturen korrigiert. Da der Aufwand aus meiner Erfahrung nur mässig kleiner ist als bei der Messung mit dem Thermometer, stellt sich die Frage ob sich der nicht grad günstige Anschaffungspreis von solchen Geräten tatsächlich lohnt.

 

Fazit: Nichts geht über die symptothermale Methode

Die symptothermale Methode nach Rötzer ist aus meiner Sicht unschlagbar, sowohl in der Zuverlässigkeit (überprüft an mehr als 400'000 Zyklen), als auch beim Einfluss, den die Anwendung aufs allgemeine Wohlbefinden und die Partnerschaft hat. Aus meiner Sicht sind die Regeln bei der NER auch sicherer als die leicht abgeänderten von Sensiplan (umgangssprachlich NFP). Sie ist auch preislich interessant, ein Thermometer kostet knapp 20.-, das Buch 27.-, ein einmaliger Kurs allenfalls 250.- pro Paar, womit man dann eigentlich fürs ganze Leben gerüstet ist. In der Schweiz ist auch die Dichte an Beratungsmöglichkeiten gut, was wichtig ist, da die meisten Gynäkologinnen und Gynäkologen sehr wenig Wissen über die symptothermale Methode haben.

 

Bildquelle: Unsplash

 

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